VIDEONALE.scope #9 "Wahnsinn und Gesellschaft"

Im Dezember widmet sich VIDEONALE.scope #9 an vier Abenden historischen und zeitgenössischen Bewegtbildarbeiten, die das Verhältnis zwischen Wahnsinn und Gesellschaft und die normative Konstruktion von "Krankheit" und "Gesundheit" untersuchen. 

Der Titel ist Michel Foucaults gleichnamigem Werk "Wahnsinn und Gesellschaft: Eine Geschichte des Wahns im Zeitalter der Vernunft" entlehnt. In seiner ersten bedeutenden Theorieschrift aus dem Jahr 1961 spricht sich der französische Philosoph gegen die Diagnose von psychischen Erkrankungen als festgeschriebene medizinische Fakten aus und beleuchtet vielmehr, inwiefern sich das Konzept des Wahnsinns im Laufe der Geschichte verändert hat und auf welchen sozialen und politischen Prozessen diese Konstruktionen beruhen. Das Werk gilt als eine der zentralen Theorien für die Forderungen der antipsychiatrischen Bewegung, die seit den 1950er Jahren Kritik an der institutionellen Psychiatrie und ihren Behandlungsmethoden geäußert hat, die Bedeutung der Gesellschaft innerhalb des Prozesses des Wahnsinnigwerdens untersucht und neuronale Differenzen als andere, aber nicht weniger wertige Erkenntnisformen hervorhebt. Während die Bewegung viele ihrer Forderungen durchsetzen konnte, wirkt die vermeintliche Oppositionen zwischen "gesund/produktiv" und "krank/unproduktiv" weiterhin als eine der zentralen Kategorisierungen für systemische Unterdrückung, auch jenseits der medizinischen Normierung. Spätestens seit den Bestrebungen der Antipsychiatrie-Bewegungen und der Behindertenrechtsbewegung finden sich auch im Feld der Bewegtbildproduktion zahlreiche Positionen wieder, die emanzipatorische Praktiken mitproduzieren und Verletzlichkeit und Ermächtigung zusammendenken.

Die Film- und Videokunstreihe wurde von Viktor Neumann kuratiert. Veranstaltungsorte sind das Filmforum im Museum Ludwig, das Filmhaus Köln und die Lichtspiele Kalk, Köln.