TRANSMITTER

Das mixed-abled Ensemble von TRANSMITTER lädt die Zuschauer*innen ein das, was sie sehen, in Worte zu fassen. Sie erklären einer nicht-sehenden Person, was die vier Performer*innen hoch oben auf einem Dach tun. Aber wo wird aus Beschreibung Interpretation? Wo bildet Sprache zwangsläufig Kategorien? Wo gibt es Grenzen in der Form? Und wo finden subjektives Empfinden und Emotionen statt?

TRANSMITTER ist mit dem künstlerischen Verfahren der "Aesthetics of Access" entwickelt, das heißt Mittel der Barrierefreiheit sind als ästhetische Elemente Teil des Kunstwerks. In diesem Fall ist die Audiodeskription für blinde Menschen kreativ in das Stück integriert und wird gleichsam durch die Publikums-Beschreibungen in ihrer Form thematisiert.

TRANSMITTER widmet sich dem Thema Sprache und begibt sich mitten hinein in identitätspolitische Grabenkämpfe um diese. Denn Begriffe prägen unser Bild von der Wirklichkeit und beeinflussen unser Verhalten. "Framing", "Nudging" und "Wording" stehen für manipulative Praktiken von Sprache und das Potential, unser Denken und Fühlen vorzuprägen und bestimmten Machtinteressen unterzuordnen. Besonders bei identitätspolitischen Fragestellungen wird erbittert um die Deutungshoheit von Begriffen und ihren Konnotationen gefochten: Welche Sprache verletzt andere? Wie kann Sprache Anerkennung und Toleranz transportieren? Wer darf wie was sagen? Was darf „man“ überhaupt noch sagen? Welche Sprache findet öffentliches Gehör? Wie kann Sprache bestehende Machtverhältnisse und Realitätsbilder verändern?

Alle TRANSMITTER-Vorstellungen finden im Rahmen des RoboLAB Festivals 2022 statt. Das Festival und Labor für inklusive Kunst und Kultur präsentiert zum dritten Mal im Kölner Odonien Performance, Musik, Bildende Kunst, Kino und Literatur – von und für Menschen mit und ohne Behinderung.