Abschied und Aufbrüche. Das Alter im Film

Die Forschungsgruppe "Film und Theologie" widmet ihre Sommertagung vom 15. bis 18.06.2022 dem Thema "Altern im Film". Mit Filmvorführungen, Vorträgen und Diskussionen werden insbesondere religiös-spirituelle und philosophisch-theologische Perspektiven von Filmen wie "45 Years", "Ewige Jugend" oder "Nomadland" näher beleuchtet. Am Symposium nimmt auch Michael Haneke teil, der zu einer Diskussion seines Films "Liebe" zugeschaltet ist. 

Menschen werden in den westlichen Gesellschaften immer älter. Das ist nicht nur in Politik und der Öffentlichkeit, sondern auch im Kino zunehmend ein Thema, wo das sogenannte "Dritte Lebensalter" immer expliziter ins Zentrum rückt. Filme mit Menschen nach dem Ende ihres Berufslebens sind gar nicht mehr selten. Sie bewegen sich dabei zwischen den vielfältigsten Genres und changieren zwischen burlesker "Seniorenkomödie" und düsterer Tragödie. Unabhängig davon, ob sie humorvoll oder tragisch grundiert sind, spielen existentielle Themen und Fragen darin eine wichtige Rolle, etwa Sinnfragen, die Bearbeitung lange schwelender Konflikte, Spannungen zwischen den Generationen oder die Frage nach der Lebensbilanz.

Oftmals wird diese Lebensphase aber auch als eine Zeit erwachender Widerständigkeit inszeniert, in die Figuren gegen repressive Strukturen oder gegen die Monotonie eines allzu gleichmäßigen Alltags rebellieren, weil das "alte" Leben mehr ist als ein geduldiges Warten auf den Tod. Auch alte Menschen brechen aus den ihnen zugewiesenen Rollen und Strukturen aus, machen sich auf eine neue, vielleicht die größte Reise ihres Lebens oder entdecken aufs Neue Liebe und Sexualität. Manche bringen auch dadurch Spannung in ihr Leben, indem sie "ein Ding drehen".