Musik und Demenz: Lehrmaterial mit Videos für Instrumentalunterricht mit Demenzerkrankten jetzt online

Ein Jahr lang unterrichtete die Violinpädagogin und Musikgeragogin Anke Feierabend eine an Demenz erkrankte Schülerin im mittleren Alzheimer-Stadium auf der Geige. Alle Unterrichtsstunden wurden auf Video aufgezeichnet und im Anschluss von Dr. Kerstin Jaunich ausgewertet und bearbeitet. Entstanden sind rund 80 Filmbeispiele von jeweils 1-6 Minuten Länge sowie ausführliche Erläuterungen, die verschiedenste Aspekte eines Instrumentalunterrichts mit Demenzerkrankten dokumentieren. Auf der neuen Webseite www.musikunddemenz.de werden sie nun erstmals veröffentlicht.

Die Internetseite richtet sich an Instrumentallehrkräfte, Angehörige sowie alle Menschen, die sich über die positiven Wirkungen und Chancen von Musik und Musikunterricht bei demenzerkrankten Menschen informieren möchten. Anders als in einer wissenschaftlichen Studie oder einem Lehrbuch zur Methodik des Instrumentalunterrichts ermöglichen die Filmbeispiele und Erläuterungen einen konkreten Einblick in den Unterricht. Sie stellen typische Situationen dar, die auch im Instrumentalunterricht mit anderen demenzerkrankten Schülerinnen und Schülern und auch bei anderen Instrumenten wahrscheinlich sind.
Angehörige von demenziell veränderten Menschen bekommen einen anschaulichen Eindruck von Inhalt und Ablauf eines Musikunterrichts und sollen ermutigt werden, ein solches Angebot auszuprobieren.

Instrumentallehrkräfte erhalten mit diesen Internet-Seiten Lehrmaterial für eine autodidaktische Weiterbildung für den immer wichtiger werdenden Bereich Unterricht mit Seniorinnen und Senioren und speziell mit Demenzerkrankten. Der Verband deutscher Musikschulen und vor allem der Landesverband niedersächsischer Musikschulen als Kooperationspartner planen dazu Fortbildungen für seine Lehrkräfte mit Anke Feierabend.

Der Unterricht und die dazu erstellte Online-Dokumentation sind Teil des EU-Projektes "Re-KuTe – Partizipative Wissenschaft für Region, Kultur und Technik", das in den Jahren 2018 bis 2020 unter der Leitung von Prof. Dr. Theo Hartogh (Universität Vechta) an mehreren nordwestdeutschen Hochschulen Möglichkeiten des Wissenstransfers in die Gesellschaft erarbeitete.