Förderfonds Kultur & Alter: Neue Konzepte in Zeiten von Corona

Die Auswirkungen der Beschränkungen im Zusammenhang mit dem Corona-Virus beschäftigen auch die Projektverantwortlichen der geförderten Förderfonds-Projekte im Jahr 2020. Hier stellen wir Ihnen einige Projektvorhaben vor, die sich kreativ mit der neuen Situation auseinander gesetzt und ihre Konzepte in digitale Welten verlegt oder analoge mit digitalen Methoden verbunden haben.

KlangKunstLabor wird zur KlangKunstPost
Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen sind die Zielgruppe der „KlangKunstLabore“, die Elisabeth von Leliwa in Zusammenarbeit mit den Komponisten Gerhard Stäbler und Kunsu Shim gestaltet. Seit Beginn der Corona-Pandemie waren jedoch keine Treffen möglich, weshalb nun kleine Päckchen mit musikalischen Spielanweisungen und den dazu benötigten Klangmaterialien an die Teilnehmenden versendet werden. Eine ebenfalls beigefügte CD mit Klangbeispielen zum Hören, Erkennen und Mitspielen regt zur eigenen Aktivität mit den Naturmaterialien, Stäbchen, verschiedenen Papieren uvm. an.
Mehr über die „KlangKunstLabore“ finden Sie hier.

Damengedeck 2.0 – Ein Rundgang in die Zukunft
Alte Menschen werden meist zu ihrer Vergangenheit befragt. Doch was denken sie eigentlich über unsere Zukunft? DAMENGEDECK 2.0 verwandelt die Senior*innen-"Residenz am Dom" in Köln in ein fiktives Forschungsinstitut. Expertinnen des Alters beschäftigen sich hier mit dringenden politischen Fragen.

Per Telefon, mithilfe von Videokonferenzen und anhand von Briefen oder E-Mails wird derzeit mit den Seniorinnen eine völlig neue Theaterproduktion geschaffen. Der virtuelle „Rundgang in die Zukunft" wird dabei von den 70 bis 90jährigen Damen mit dem Konferenztool „Zoom" inszeniert. Während den Live-Übertragungen sitzen sich Spielerinnen und Publikum via „Zoom" gegenüber, virtuelle Räume bieten die Chance, sich in kleinen Gruppen mit den Damen persönlich auszutauschen. Ein digitales „White-Board" und Umfragen während des Stücks gestalten die Inszenierung lebendig und interaktiv.
Die Aufführungen finden im Rahmen des Sommerblut Festivals statt, dem Kölner Festival der Multipolarkultur. Sommerblut legt bei den Spielstätten und den Auftritten einen durchgehenden Fokus auf Inklusion und Sichtbarkeit von Menschen mit Behinderung.
Weitere Infos: www.sommerblut.de

allEinsam
Wie schmeckt die Einsamkeit? Welche Farben, welche Formen kann sie annehmen? Und wie unterscheidet sich Einsamkeit vom Alleinsein? Diese Fragen beschäftigen das Ensemble rund um die Theaterpädagogin Nora Mira Maciol und der Bildenden Künstlerin Gudrun Waage beim Werkhaus Krefeld e.V. Zwei Treffen konnten bereits stattfinden, danach folgten die Ausgangsbeschränkungen. Das Team erfährt in der von außen auferlegten Isolation einen Nährboden für die persönliche Recherche und stellt neue Fragen: Was macht diese Situation mit uns? Wie verändert sie unseren Tagesablauf? Unsere Gedanken und Träume? Den Blick auf die Welt?
Die soziale Isolation wird für alle zu einem spannenden Experimentierfeld! Jeder findet Bilder und unterschiedliche Ausdrucksmittel, um mit den neuen Gegebenheiten umzugehen, beschreibt seine Gedanken, Gefühle und Beobachtungen. Die Ergebnisse werden in einer performativen Ausstellung im Herbst öffentlich präsentiert, die genauen Termine noch bekanntgegeben.
Einen ersten Einblick erhält man im „Virtuellen Zentrum Werkhaus e.V." finden Sie hier

Unterwegs – Leben, Reisen und Demenz
Das Projekt von Freudige Füße, dem Ensemble für Kunst und Demenschen aus Havixbeck, war zuerst als Theaterprojekt mit abschließender Präsentation geplant. Die neue Situation bedingt, das vorerst keine gemeinsamen Proben möglich sind. Erpho Bell, Theatermacher und Autor, entwickelt nun auf Basis von persönlichen Interviews einen Theater-Stück-Text über Erlebnisse und Verluste, der zukünftig von flexiblen Ensembles, Schauspielensembles sowie Seniorentheatergruppen gespielt werden kann. Das neue künstlerische Format kann ohne direkten Kontakt zu den einzelnen Personen umgesetzt werden. Diese Theater-Stück-Entwicklung soll aus einem Wechselspiel von realen und fiktionalen Anteilen entstehen, sodass nicht die persönliche Geschichte der einzelnen Beteiligten, sondern die trennenden und verbindenden Element künstlerisch verdichtet werden. Der Text soll 2020 digital erscheinen und mit Mitgliedern der Gruppe als Hörstück umgesetzt werden.
Mehr über Freudige Füße – Ensemble für Kunst und Demenschen unter: www.erpho.de

Wald und Wiesen Klänge
Mitsing-Konzerte, die möglichst vielen Bewohnerinnen und Bewohnern zugänglich sein sollen, sind im ländlichen Raum in Münster in Zusammenarbeit mit verschiedenen Senioreneinrichtungen geplant. Zu behutsam ausgewähltem und vorbereitetem Liedergut mit Fokus auf Volkslieder, soll je nach Stimmungslage gemeinsam mit den Anwesenden gesungen und musiziert werden. Aufgrund der derzeit geltenden Zugangsbeschränkungen für Alteneinrichtungen finden die Konzerte nun in angrenzenden Parks und vorgelagerten Wiesen der Kooperationseinrichtungen statt. So kann denn Zuhörenden und Mitsingenden trotz der Corona-Krise ein musikalischer Genuss ermöglicht werden. Eine mobile Bühne wird so platziert, dass möglichst viele Bewohner der Einrichtung trotz körperlicher Beeinträchtigungen teilnehmen können, gegebenenfalls sogar auch vom Zimmer aus.
Weitere Infos: http://wuw.netta.de/